Wo auf der Erde nicht genug Platz ist, wird in die Luft ausgewichen.

Die Immobilienzeitung berichtet über
unseren Innovationsarbeit an MunichsGreen East:

München. Bei der Entwicklung neuer Quartiere müssen sich Investoren und Bauherren immer öfter aktiv mit der Lösung von Verkehrsproblemen auseinandersetzen und den Städten Lösungen anbieten. Wo auf der Erde nicht genug Platz ist, wird in die Luft ausgewichen.

Der Münchner Osten gilt als eines der letzten großen Entwicklungsgebiete der Stadt. Entlang der Autobahn 94 und der Bahntrasse erstreckt sich das Gewerbegebiet Zamdorfer Straße zwischen dem Vogelweideplatz mit den Bavaria Towers und der Münchner Messe. Zahlreiche Entwickler haben das Gebiet mit seinen teilweise arg in die Jahre gekommenen Gebäuden auf dem Zettel. In einigen Jahren könnte hier ein moderner Büropark mit vielen Hochhäusern entstehen. Die im vergangenen Jahr vorgestellte Hochhausstudie der Stadt attestiert dem Gebiet die Eignung dafür. So plant etwa CV Real Estate auf einem Grundstück in der Klausenburger Straße ein Hochhausensemble mit rund 60.000 m² Bruttogrundfläche. Auch Residia Asset Management will auf dem fast 30.000 m² großen ehemaligen Gelände des Klöckner Stahlhandels an der Zamilastraße drei Bürogebäude mit etwa 100.000 m² vermietbarer Fläche entwickeln. Weitere Eigentümer haben ähnliche Pläne in der Schublade.

Das Problem ist, dass die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr mangelhaft ist. Bisher fährt lediglich der Bus durch das Gebiet. Bei einigen Tausend Arbeitsplätzen, die zu erwarten sind, ist das zu wenig. „Potenzielle Mieter fragen bereits jetzt schon an, wie wir das Verkehrsproblem lösen wollen“, sagt Christian Vogrincic, Vorstandschef von CV Real Estate. Der Verkehr werde für Projektentwickler immer mehr zum Thema, stellt er fest. Auf die Stadt warten will er dabei nicht. „Wir müssen dafür sorgen, dass Quartiere schnell umgesetzt werden können“, betont Vogrincic. Die Mieter würden sich schließlich nicht nur in München umsehen.

Um dafür Lösungen zu entwickeln, gründete er im vergangenen Jahr mit CV Innovation Lab eine eigene Denkfabrik für Mobilitätslösungen in Quartieren. Diese hat nun die Idee einer Seilbahn entwickelt, um das Gebiet zu erschließen. Die Trasse würde sich über gut 2 km von der S-Bahn-Station Leuchtenbergring über die Bavaria Towers bis zum Hüllgraben erstrecken. Möglich wäre auch eine Verlängerung bis zur 3 km entfernten Münchner Messe.

Die Planer würden eine Strecke durch das bisherige Gewerbegebiet bevorzugen. Allerdings müssten da alle Grundstückseigentümer mitmachen. Sven Renz, Geschäftsführer der Bayern Projekt Gruppe, gibt sich erst mal abwartend. Für die Anbindung der Bavaria Towers brauche es nicht zwingend einen weiteren Verkehrsträger. Allerdings seien Seil- oder Schwebebahnen durchaus interessant. Alternativ soll die Trasse am Rand des Gebiets entlang der Gleise verlaufen. Erste Gespräche mit der Bahn gebe es bereits, so Vogrincic.

Eine zweite Linie könnte den S-Bahnhof Berg am Laim mit dem Neubaugebiet der Dibag an der Eggenfeldener Straße, jenseits der Autobahn verbinden. Auf dem mehr als 6 ha großen Gelände plant die Dibag 380 Wohnungen, rund 12.000 m² Büro- und 2.000 m² Einzelhandelsfläche.

Das Gewerbegebiet an der Zamdorfer Straße steht vor dem Wandel.
Quelle: CV Real Estate AG, Urheber: Matthias Schukies

Seilbahnen sind mehr als reine Gedankenspiele

„Das ist mehr als nur ein Gedankenspiel“, sagt Friedrich Wilkening von CV Innovation Lab. Er sieht die Vorteile vor allem in der schnellen Realisierbarkeit. Technisch sei der Bau einer Seilbahn in weniger als zwei Jahren möglich.

Auch die Planungs- und Genehmigungszeiten dürften deutlich schneller gehen als etwa bei einer U-Bahn oder einer Trambahnstrecke. Die Transportkapazitäten sind dabei in etwa vergleichbar. Der größte Vorteil aber wäre wohl, dass die Seilbahn unabhängig von den Staus am Boden ist.

Die Seilbahn im Münchner Osten ist die zweite Trasse, über die derzeit in München nachgedacht wird. Vor zwei Jahren stellten die damalige bayerische Bau- und Verkehrsministerin Ilse Aigner, Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter und die Bayerische Hausbau schon mal eine Strecke vor. Die Schörghuber Unternehmensgruppe, zu der die Bayerische Hausbau gehört, initiierte das Projekt. Die Seilbahn über dem Frankfurter Ring im Münchner Norden soll über 4,5 km die U-Bahnstationen Oberwiesenfeld und Studentenstadt verbinden. Seit September vergangenen Jahres wird in einer Studie die Umsetzbarkeit geprüft. Die Ergebnisse sollen Ende des Jahres vorliegen. Dann muss der Stadtrat entscheiden, ob die Seilbahn Realität wird.

Nicht nur in Großstädten wird sich mit dem alternativen Beförderungsmittel auseinandergesetzt. Münchens Nachbarstadt Germering arbeitet an der Machbarkeitsstudie einer 6,4 km langen Strecke von Germering bis nach Pasing. In Kempten laufen die Untersuchungen für eine Seilbahn zwischen dem Bahnhof und der Innenstadt. Die Stadt Dachau lässt seit Sommer 2019 prüfen, ob eine 10 km lange Verbindung zwischen dem Bahnhof und dem Münchner U-Bahnhof Moosach mit Halt in Karlsfeld möglich ist.

In anderen Städten sind Seilbahnen bereits Realität. Im bolivianischen La Paz oder im kolumbianischen Medellín entlasten sie den öffentlichen Nahverkehr am Boden. In Europa haben London und das französische Brest Seilbahnen in ihre Verkehrsnetze integriert. Und vergangenen Sommer beschloss das französische Toulouse den Bau einer 3 km langen innerstädtischen Seilbahn.

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